Tihange 2: Informationen zum Stand der Dinge

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Tihange 2: Informationen zum Stand der Dinge

Beitrag von FDP Roetgen » Mi 21. Dez 2016, 15:03

Überall in der Euregio sieht man sie: Gelbe Aufkleber und Schilder, auf denen die Abschaltung des Pannenreaktors Tihange 2, der keine 65 km von Aachen entfernt nahe Lüttich steht, gefordert wird. Dieses Jahr brachte uns wieder zahlreiche Störfälle, Klagen, eine erschreckende Studio der Wiener Universität für Bodenkultur sowie ein Abkommen zwischen Deutschland und Belgien. Und dennoch bleibt Tihange 2 weiter in Betrieb. Zum Abschluss des Jahres haben wir den aktuellen Stand der Dinge einmal zusammengefasst.

Zunächst ein wenig Lektüre, denn wer das Ausmaß der Bedrohung begreifen möchte, sollte sich die Ende Oktober 2016 veröffentlichte Studie durchlesen:

Download im PDF-Format: Mögliche radiologische Auswirkungen eines Versagens des Reaktordruckbehälters des KKW Tihange 2
(Untersuchung des Instituts für Sicherheits- und Risikowissenschaften der Universität für Bodenkultur Wien im Auftrag der StädteRegion Aachen,
Übersetzung des englischsprachigen Originaltextes)

Die Wiener Wissenschaftler zeichnen ein düsteres Bild: Sollte der durch zahlreiche Einschlüsse und Risse geschwächte Reaktordruckbehälter von Tihange 2 versagen, ist ein GAU nicht auszuschließen. Bei einer typischen Wetterlage würde die radioaktive Wolke Richtung Nordosten ziehen und die Städteregion Aachen sowie weite Teile Nordrhein-Westfalens kontaminieren. Bei ungünstiger Wetterlage würde die Städteregion Aachen sogar ähnlich stark belastet, wie die 20 Kilometer weite Sperrzone rund um den japanischen Katastrophenreaktor Fukushima. Dabei liegt Aachen rund 65 km Luftlinie (Roetgen: 68 km) von Tihange 2 entfernt.

Noch einmal 9 km näher liegt die Deutschsprachige Gemeinschaft (DG) Belgiens mit ihren Verwaltungssitz Eupen. Das dortige Parlament hatte am 11. November 2016 einstimmig die Abschaltung von Tihange 2 sowie des baugleichen Reaktors Doel 3 nahe Antwerpen gefordert. Die Politiker der DG sind der Ansicht, dass aufgrund der fehlerhaften Reaktordruckbehälter keine ausreichende Sicherheit für den Betrieb der Reaktoren gewährleistet ist. Dies zeigt, dass es sich keineswegs um einen Konflikt zweier Länder handelt, sondern auch in Belgien die Zweifel an der Sicherheit der beiden Pannenreaktoren weit verbreitet sind.

Und es sind nicht nur fehlerhafte Materialien und Bauschäden, die Tihange 2 zur Bedrohung machen: Die belgische Atomaufsichtsbehörde Fank hatte dem Kraftwerksbetreiber Electrabel im November 2016 ein Ultimatum gestellt, weil dessen Computersysteme nur unzureichend gegen Angriffe von außen geschützt sind und die Sicherheitspläne von Tihange im Internet einzusehen waren. Auch die nuklearen Abfälle von Electrabel werden seit Dezember 2015 nicht mehr entsorgt und stapeln sich seither in den Kraftwerken. Wie die Nachrichtenagentur Belga am 16. Dezember 2016 mitteilte, hatte die staatliche Entsorgungsstelle zuvor Sicherheitsmängel bei den Methoden zur Einstufung radioaktiven Mülls moniert.

Nachdem es in diesem Jahr mehrere Klagen gegen den Betrieb von Tihange 2 und Doel 3 gegeben hatte, soll zum Jahresabschluss ein Atomabkommen zwischen Deutschland und Belgien für einen konstruktiven Disput sorgen. Das von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und dem belgischen Innenminister Jan Jambon präsentierte Papier taugt aber nicht einmal als Beruhigungspille, da die geplante deutsch-belgische Nuklearkommission keinerlei Kompetenzen haben wird. Daher werden die StädteRegion Aachen, Maastricht (Niederlande) und Wiltz (Luxemburg) noch in dieser Woche eine weitere Klage in Brüssel einreichen.

Die Aussichten der Klagen sind allerdings ungewiss: Ohne Schadensfall gibt es keinen Geschädigten, doch nach einem Schadensfall gäbe es für uns und unsere Nachbarn in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg keine Heimat mehr.

benni

Re: Tihange 2: Informationen zum Stand der Dinge

Beitrag von benni » Do 22. Dez 2016, 19:47

Ja, es ist zum Heulen. Wenn das Teil hochgeht, ist der Betreiber pleite und in Namur sind die Kassen auch leer. Dann heißt es Pech gehabt, konnte ja keiner ahnen. Und der Boden bleibt tausende Jahre verseucht. Wäre Charlemagne so ein Teil hochgegangen, wäre Aachen noch immer ein Sperrgebiet. Muss man sich mal vorstellen!

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Re: Tihange 2: Informationen zum Stand der Dinge

Beitrag von FDP Roetgen » Do 22. Dez 2016, 21:30

So sieht es leider aus :-(

Zwei Anmerkungen für Nicht-Wallonen:
  • Charlemagne ist Karl der Große, er war von 768 bis 814 König des Frankenreichs und nutzte Aachen als seine Hauptstadt.
  • Namur ist die Hauptstadt der Wallonie, also des frankophonen Teil Belgiens.

Jorge

Re: Tihange 2: Informationen zum Stand der Dinge

Beitrag von Jorge » Do 22. Dez 2016, 23:55

Gute Zusammenstellung und Kommentar! Und das auf einer FDP-Seite! Hätte ich nicht erwartet. :mrgreen:

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Kettenreaktion Tihange

Beitrag von FDP Roetgen » Fr 10. Feb 2017, 13:20

Menschenkette – Tihange – Lüttich – Maastricht – Aachen

Die tri-nationale-Menschenkette entsteht aus tausenden Menschen. Zum Zeitpunkt des Kettenschlusses reichen wir uns nebeneinander stehend die Hände. Unsere Verbindung liegt wie ein 90 km langes Band zwischen dem AKW Tihange und den Städten Lüttich, Maastricht und Aachen.
Die Menschenkette bildet sich durch die anreisenden Menschen innerhalb von zwei Stunden entlang von Straßen und Wegen zwischen den genannten Orten. Beim „Kettenschluss“ wird die Kette durch gegenseitiges Hände-halten über 90 km vollständig geschlossen.

Die Kette symbolisiert den gemeinsamen Protest aus unterschiedlichen europäischen Ländern und Sprachen. Deshalb wird die Kette so aufgebaut, dass in jedem Abschnitt Menschen aus verschiedenen Nationen versammelt sind.
mehr dazu: http://www.chain-reaction-tihange.eu/de/

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